Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 4 | AUG / SEPT 2008 - Index66
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Text und Foto: Sebastian Schulke
8 FRAGEN AN HERMANN MAGERER
Hohes Gras, bunte Blumen, summende Bienen – und dazwischen wachsen kleine Obstbäume in den blauen Himmel. Der
Garten von Hermann Magerer versprüht den Charme einer unberührten Bergwiese. Nur, dass hier am Rande von München
keine Berge zu erspähen sind. Aber das macht Hermann Magerer nichts aus. Er streift durch die Wiese, lacht. 22 Jahre lang
moderierte und leitete er die Sendung „Bergauf-Bergab“ im Bayerischen Fernsehen, reiste quer durch die Bergwelt und
avancierte zur Kultfigur. Daran hat sich auch mit 73 Jahren nicht viel geändert. Nur, das er jetzt öfter in die Luft geht ...
SportPresse: Herr Magerer, wie geht es Ihnen?
HERMANN MAGERER: Danke, sehr gut.
Meine Knochen machen beim Bergsteigen
allerdings nicht mehr so gut mit. Und so habe
ich zusammen mit meiner Frau Helga das
Gleitschirmfl iegen entdeckt. Da müssen wir nur
noch den Berg hinauf laufen, hinunter geht es
dann im Flug. Das ist himmlisch!
Himmlisch war für viele Millionen Zuschauer
auch Ihre Sendung „Bergauf-Bergab“, die Sie
bis 1998 moderiert haben. Hätten Sie jemals
gedacht, dass Sie so ein Aufsehen mit einer
Bergsteiger-Sendung erregen?
Niemals. 1973 hatte ich bereits ein Konzept
für eine Bergsteiger-Sendung geschrieben
und meinem Chefredakteur vorgelegt.
Das Bergsteigen boomte damals. Es gab
Bergbücher, Reinhold Messner stand mit seinen
Himalaya-Expeditionen in den Schlagzeilen,
und sogar im Radio gab es eine Sendung übers
Bergsteigen. Nur im Fernsehen rührte sich
nichts. 1975 war es dann endlich so weit.
Mir wurden allerdings für eine 60-minütige
Live-Sendung nur 4.000 Mark zur Verfügung
gestellt. Das war auch für damalige
Verhältnisse gar nichts.
20 Jahre lang standen Sie da schon für den Bayerischen
Rundfunk hinter der Kamera. Jetzt sollten Sie plötzlich
vor die Kamera treten?
Ja, das passte mir überhaupt nicht. Ich war bei
den Olympischen Spielen in Innsbruck, Grenoble
und München, bei Fußball-Weltmeisterschaften,
stand dabei aber nie vor der Kamera. Das war
auch gut so. Doch mein damaliger Chef, Rudolf
Mühlfenzl, meinte, ich hätte einen Rucksack-
Kopf, mir würden die Zuschauer alles glauben.
Lag darin auch Ihr Erfolgsrezept?
Ich bin nie als Oberlehrer aufgetreten. Ich
wollte für die Zuschauer einfach nur neutraler
Berichterstatter sein. Das kam, glaube ich, ganz
gut an. Aber viel wichtiger war unser unglaublich
eingespieltes Team. Im ersten Jahr hatten wir
noch versucht, unsere Kameraleute durch
Kletterkurse an die Bergwelt zu gewöhnen.
Aber das brachte nichts und war auch viel zu
gefährlich. So habe ich aus drei Bergsteigern
drei Kameraleute geformt. Wir haben in all
den Jahren nichts getürkt oder getrickst. Jede
Tour, die wir vorgestellt haben, haben wir auch
wirklich selbst gemeistert. Sepp Wörmann hat
mich mit seiner Kamera 18 Jahre lang begleitet,
er ist wie ein Sohn für mich. Genauso auch
Hannes Hochenleitner oder der Raki. Erst heute
habe ich wieder mit Sepp telefoniert.
Was haben Ihre Kinder Markus, Michael und Nicola
dazu gesagt?
Das war schon komisch. Wir waren viel
unterwegs, reisten durch die Welt, da kannte
ich den Sepp und den Hannes besser als meine
eigenen Kinder. Es ist ohnehin ein Wunder,
dass meine Frau damals nicht mit den Kindern
abgehauen ist. Doch sie hat mich immer
fantastisch unterstützt und tut dies immer noch.
Im Mai haben wir Goldene Hochzeit gefeiert.
Sind die Goldenen Zeiten der Berge vorbei –
mit Blick auf Klimaveränderung und Übervölkerung?
Das Bergsteigen hat sich total verändert durch
die Kommerzialisierung. Das Gute daran
ist, dass die Bergsteiger zu einer weltweiten
Gemeinschaft gewachsen sind. Ebenso hat sich
das Material – Seile, Sicherungen, Kleidung –
enorm verbessert. Die Sehnsüchte sind zwar
die gleichen geblieben – der Drang nach Freiheit
und die Lust auf Abenteuer –, aber die Berge
sind im Laufe der Jahre und im Wandel der Zeit
zum Rummelplatz geworden. Heute nimmt sich
kaum noch einer Zeit, die Berge richtig zu fühlen.
Könnten Sie ohne Berge leben?
Nein. Aber ich hätte auch nicht gedacht,
dass ich ohne Bergsteigen auskomme. Da
hat mir das Gleitschirmfl iegen sehr geholfen.
Das Reisen macht uns auch viel Spaß. Heute
gibt es ja so viel Literatur, da muss man nicht
groß planen, sondern fährt einfach los. Zuletzt
waren wir in der Türkei und in China, das war
sehr interessant. Sonst gehen wir auch gerne
in München zum Mittagskonzert des Richard-
Strauß-Konservatoriums im Gasteig. Die
Abendkonzerte schaffen wir nicht.
Die Abendkonzerte schaffen Sie nicht?
Das ist uns einfach zu spät. Wir stehen jeden
Morgen um 5.30 Uhr auf. Da liegen wir abends
spätestens um 21 Uhr wieder im Bett. Meine
Frau Helga und ich haben da immer noch den
alten Rhythmus der Berge in uns drin.