Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 4 | AUG / SEPT 2008 - Index24 | REISE
PETER HABELER
„DAS ZILLERTAL IST MEIN SHANGRI-LA“
Peter Habeler zählt zu den weltbesten Extrembergsteigern. 1978
schrieb er mit Reinhold Messner Berggeschichte: Gemeinsam
bezwangen sie den Mount Everest – ohne künstlichen Sauerstoff.
Heute, 30 Jahre später, denkt der sympathische Zillertaler längst
nicht ans Aufhören. SportPresse hat ihn im Zillertal besucht:
SportPresse: Herr Habeler, Sie haben die höchsten Gipfel der Welt
bestiegen und verbringen immer noch einige Monate im Jahr in Nepal –
wie beschreiben Sie ihre Beziehung zum Zillertal?
PETER HABELER: Zillertaler sind sehr heimatverbunden,
stämmige Naturliebhaber. Das Zillertal ist mein Shangri-La,
mein Zuhause, wo es mir gut geht und meine Leute leben.
Klar suche ich neue Herausforderungen, will ausbrechen!
Genieße es, zeitweise primitiv zu leben, mich von Reis und
Kartoffeln zu ernähren und im Zelt zu schlafen. Aber nach
Hause kehre ich immer wieder zurück, denn was man als
Kind erlebt, bleibt in einem. Ich habe in meiner Welt viele
entwurzelte Menschen kennengelernt, die fühlen sich nirgendwo
mehr wohl.“
Sie hatten als Jugendlicher das Ziel, auf jeden Gipfel im Zillertal zu
steigen. Gibt es für Sie einen Favoriten?
„Ich habe alle Berge sehr gerne, gehe immer noch oft und
zum wiederholten Male hoch. Die Zillertaler Dreitausender
sind für mich etwas Außergewöhnliches, sie besitzen ihren
eigenen Reiz. Vor allem zum „Olperer“ habe ich eine besondere
Beziehung: Klettern, Fels, Haken und die tolle Aussicht
faszinieren mich. Die „Ahornspitze“ ist unser Mount Everest,
von meinem Haus aus erkennt man sogar eine Ähnlichkeit.“
Wandern erlebt eine Renaissance – auch im Zillertal?
„Die Menschen suchen Orte, um Stress abzubauen. Kein
Telefon, keine Hektik – die gibt es beim Wandern nicht. Dafür
körperliche Arbeit, ohne jedoch Welt meister sein zu müssen.
Wandern ist bunter und lustiger geworden, nicht mehr grau
und verstaubt. Ein großes Thema auch
für junge Menschen und Familien.
Vor allem das Hütten wandern wird
immer beliebter. Das Zillertal ist
bekannt für sein gut
ausgebautes Hüttennetz.
Ganz neu: der
Adlerweg, mit vielen
Gipfeln. Das spornt an.
Um die Wanderbewegung
weiter zubringen, muss es
auch „höhere Dinge“ geben:
Gipfelerlebnisse oder
Klettersteige; junge
Menschen wollen turnen!“
AUF DEM WASSER Gerade im Hochsommer
bietet das Zillertal viele Erfrischungen. Zum Beispiel Rafting auf dem Ziller. Wer es
noch turbulenter möchte, reitet im Schlauchboot über die Stromschnellen der Imster
Schlucht. Routinierte Kajakfahrer kommen auf der Strecke Hochsteg bis zum Gasthof
Zillertal auf ihre Kosten. Sogar eine 90 Kilometer lange Drei-Flüsse-Bootstour auf
Zemm, Ziller und Inn ist möglich. Spritzig geht’s beim Canyoning zur Sache. Mit Seil,
Klettergurt und Neopren geht man den Klammen und Schluchten der Seitentäler im
wahrsten Sinne auf den Grund.
WASSERSPORTELN/// Action Club Zillertal, Tel. +43/(0)52 85/6 29 77, www.action-club-zillertal.com
Mountain Sports Zillertal, Tel. +43/(0)664/3 12 02 66, www.mountain-sports-zillertal.com
Zillertal Aktiv, Tel. +43/(0)664/53 20 00 07, www.zillertal-aktiv.at
Kajakclub Mayrhofen, Michael Platzgummer, Tel. +43/(0)664/1 80 24 83
AM SEIL Ein absolutes Highlight für Sportkletterer sind die
„Ewigen Jagdgründe“ zwischen Ginzling und dem Gasthof Breitlahner. Direkt aus
dem Bachbett des Zemmgrundes ragen zwei etwa 60 Meter hohe Granitblöcke
und beherbergen eines der schönsten Sportklettergebiete der Alpen. Drumherum
fi nden Boulder-Fans ihr Paradies an unzähligen kleineren Felsblöcken. Für
Einsteiger und Fortgeschrittene sind die Klettergärten „G’schöss“ und „Knorren“
am Penken ideale Trainingsplätze. Sie sind mit der Bergbahn schnell erreichbar
und perfekt abgesichert.
KLETTERN /// Tolle Sportklettergebiete mit Routen im Niveau zwischen 4 und 10:
Ewige Jagdgründe/Zemmgrund, Gschöss/Penken, Knorren/Penken, Schwendau/Hippach.
Kletterkurse: Action Club Zillertal, Tel. +43/(0)52 85/6 29 77, www.action-club-zillertal.com
Lokale Kletterszene und Routen: www.stonemonkeys.com
IN DER LUFT Die Almwiesen glänzen in der Sonne.
Am Horizont wachsen weiße Bergspitzen in den blauen Himmel. Tief unten liegt
Mayrhofen. Wer am Penken oder Ahorn aus 2.000 Metern Höhe in die Runde blickt,
fühlt sich wie ein Adler. Da bekommt man Lust, abzuheben. Nach der Wandertour mit
dem Gleitschirm ins Tal – das ist hier für jeden möglich. „Schirm aufziehen, ein paar
Laufschritte ... schon weicht der Boden unter den Füßen, der Wind pfeift, und plötzlich
schwebst du 1.500 Meter über dem Tal“, grinst Paul Gröblacher. Er ist Fluglehrer und
lenkt das Taxi – keinen beigen Mercedes, sondern einen Tandemschirm. Vom Penken
geht’s in weitem Bogen hinüber Richtung Ahorn. Dann lässt Paul die Steuerleinen
los. „So, jetzt übernimmst du“, meint er locker. „Okay!“ Ein vorsichtiger Zug links,
und – hey, der Schirm folgt! „Ich kann fl iegen!“ Dann ein beherzterer Zug rechts – und
schon geht’s rasant in die Kurve, in Spiralen dem Landeplatz entgegen. „Net schlecht“,
meint Paul, als wir wieder am Boden stehen. Augenzwinkernd hält er die Hand zum
Abklatschen in die Höhe: „Give me fi ve!“
FLIEGEN /// Penken und Ahorn sind prima Startrampen für Paraglider. Zillertaler Flugschule,
Tel. +43/(0)52 85/6 49 06, www.zillertaler-fl ugschule.com
Tandem-Flüge: Flugtaxi Mayrhofen, Tel. +46/(0)664/2 05 50 11