Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 4 | AUG / SEPT 2008 - IndexBRENTA INFO
ZEIT /// 3 Tage | HÖHENMETER /// je nach
Variante | PROFIL /// leicht/mittel |
TALORT /// Madonna di Campiglio |
ABSTIEG /// Groste-Seilbahn |
VARIANTEN /// Die Brenta-Durchquerung lässt
sich auch anders herum machen: Aufstieg von
Vallesinella (1.513 m), Übernachtung im Rifugio
Brentei (2.182 m) und über die Bocca di Brenta
mit dem „Bochette Centrale“ beginnen.
Oder: Start von der Ostseite in Molveno,
Aufstieg in ca. 5 Stunden zum Rifugio Pedrotti;
Übernachtung; am nächsten Morgen den
Bocchette Centrale. Geht man die beiden
Varianten bis zum Grostepass durch, kann man
über den „Sentiero Sosat“-Klettersteig die
Runde abschließen, ohne einen Weg zweimal
gehen zu müssen. Dauer: je nach Kondition
3–6 Tage. Tipp: Aufstieg durch das ruhigere Val
d’Agola zum Rifugio Dodici Apostoli (2.489 m)
mit Anschluss über den „Sentiero Brentari“
oder „Sentiero Ideale“ zum Rifugio Pedrotti.
Beide Wege erfordern Erfahrung und je nach
Saison Steigeisen und Eispickel. Als reine
Klettersteige betrachtet sind die Wege nicht
außergewöhnlich schwierig, sie erfordern
jedoch gute Orientierung und sicheres Gehen im
ungesicherten Gelände.
ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL ///
Mit der Bahn nach Trento, ab dort gibt es
regelmäßige Busverbindungen – und in gut zwei
Stunden ist man in Madonna di Campiglio.
CHIANTI UNTER FELSWÄNDEN
KLETTERSTEIGE KLET ETTER ERS RSTEI EIGE |
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Elegant schlingt sich der Steig auf Bändern, Felsstufen und
leichten Kletterpassagen um die Cima Grosté herum. Das
metallene Schnappen der Karabiner verstummt in der Weite der
Schluchten. Nicht selten müssen wir uns selbst zur Konzentration
ermahnen. Beim Anblick der Furcht einfl össenden Nordfelsen
der Cima Brenta erstarren wir: „Der Berg zeigt Schwung und
Eleganz und eröffnet den Kontrast dieser Landschaft, wo Linien
und Formen auf grobe Formen und harte Felsschründe treffen.“
erklärt Bergführer Stefano. Später brütet der Pfeifenraucher über
seinem Tagebuch. Die Eindrücke der Tour vom Rifugio Graffer
bis hierher und ein Glas Chianti verklären seinen Blick, als er
seine Notizen auf den Holzbänken des Rifugio Tuckett beendet.
Bergführer sind kleine Philosophen. Die ersten Nebelschwaden
legen sich um die Brenta, hier steigt der Nebel so schnell auf,
dass es einem vorkommt, als habe jemand ganz oben plötzlich
das Licht ausgeschaltet. Auf den Leitern des Bochette Alte
tauchen die Ferratisti in ein geschickt angelegtes System aus
Leitern ein, überraschend tauchen kühne Aufschwünge an
Felsblöcken auf, die mit Klammern und Drahtseilen überwunden
werden. Dann wird es plötzlich wieder dunkel. Der Nebel ist
zurückgekommen und das lässige Dahinspazieren hat ein jähes
Ende. Auf empfi ndlich weit überhängenden Leitern steigen wir
in das Herz der Finsternis – die dunkle Schlucht Bocca degli
Armi – hinab, queren auf Fels- und Eisenstiften die Bänder und
umrunden die Torre di Brenta. Sonnenstrahlen durchbohren
die letzten Nebelfetzen, und mit dem Licht kehrt auch die
Leichtigkeit wieder in die Brenta zurück. Wie ein sinkendes Schiff
richtet sich die Spitze der Spalla di Brenta vor uns auf. Auf dem
terrassenartigen Aussichtspunkt erreicht der Weg mit 3.020
Metern seine höchste Stelle.
FELSGRAUES HAAR
WIE DOLOMITENGESTEIN
Im Rifugio Pedrotti begleitet Signor Fortunato die Bergsteiger
höchstpersönlich zu ihren Schlafkammern. Sein Haar ist felsgrau
wie die Wände, seine sonore Stimme wirkt entspannend auf
die Gäste. Er und seine Familie betreiben die Pedrotti-Hütte
und hundert Meter weiter unten die Tosa-Hütte schon lange.
Signor Fotunato mag die Atmosphäre seiner Hütte am späten
Nachmittag: „Wenn die Sonne schnell hinter der Bocca di Brenta,
der engen Scharte auf der Westseite, verschwindet, kehrt Ruhe
ein.“ Signor Fortunato ist kein Bergsteiger. Keiner aus seiner
Familie ist das. Um die Berge der Brenta zu lieben, muss man das
auch nicht sein. Es genügt, einfach nur hier zu sein und die Felsen
auf sich wirken zu lassen. In der gemütlichen Gaststube serviert
seine Schwiegertochter Trentiner Spezialitäten: Makkaroni mit
Kapern, Oliven, Chili und Knoblauch. An Organisationstalent
mangelt es der Familie nicht. Auch der Weinkeller ist gut sortiert.
An den schweren Holztischen werden bald Geschichten von
zackigen Graten und dunklen Schluchten ausgetauscht.
Der Wein lockert die Zungen, die Hüttenruhe wird auf später
verschoben, und Rosas Mann Alfredo spielt auf seiner Gitarre
italienische Lieder. Die Nacht ist noch lange nicht zu Ende. Die
Zeit der Klettersteige auch nicht.