Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 3 | JUNI / JULI 2008 - Index

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Interview: Sebastian Schulke; Foto: Roland Grill
9 FRAGEN AN TAREK RASOULI
Madrid, London, Paris – Tarek Rasoulis Terminkalender ist voll. Sehr voll. Außerdem klingelt das Telefon ständig, und die Mailbox kündigt
unentwegt neue Nachrichten an. Doch der ehemalige Bikeprofi bleibt cool, wie früher bei seinen atemberaubenden Sprüngen von Felsklippen
oder über steile Rampen. Er sitzt in seinem Büro vor dem Computer, telefoniert, schreibt und lächelt zufrieden. Ganz nebenbei beantwortet der
Geschäftsführer der Kommunikationsagentur „rasoulution“ Fragen seiner Mitarbeiter. Und Zeit für ein Interview bleibt auch noch. „Bloß keinen
Stress“, sagt Tarek Rasouli (33), „dafür ist das Leben viel zu schön.“ Besonders dann, wenn man schon mal neu geboren wurde.
SportPresse: Herr Rasouli, wie können Sie bei all dem Stress so cool bleiben?
TAREK RASOULI: Die Vorbereitungen für die „Nissan Qashqai Challenge“,
das ist die erste internationale Freeride-Serie für Biker, läuft gerade auf
Hochtouren. Morgen sitze ich bereits wieder im Flieger nach Paris. Aber
was soll ich mich aufregen? Ich habe nach meinem Unfall gelernt, die
Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge zu ziehen.
Und wie sehen diese positiven Dinge gerade aus?
Ich hänge ja nicht nur am Telefon und schmore vor dem Rechner. Ich
komme in der Welt herum, treffe viele Leute und habe einfach Spaß dabei.
Im Jahr 2002 wirbelten Sie als Rocky-Moutain-Teamrider mit ihrem Bike durch die Welt.
Contests, Videodrehs und Fotoshootings – doch dann veränderte ein Unfall Ihr Leben ...
Für das neue „Kranked“-Video fl og ich damals nach Kanada. Das war im
Juli. Wir drehten in Sun Peaks in einem Snowboardpark. Ich sprang einen
zwölf Meter weiten Transfer in eine Halfpipe, erreichte dabei eine Höhe von
sechs Metern – und verfehlte den Landehügel. Ich landete mit voller Wucht
im Flachen, im Flat. Dabei brach mir ein Lendenwirbel und das Fersenbein.
Das Gefühl für meine Beine war sofort weg.
Das änderte sich auch nicht nach den Operationen in Vancouver und Murnau.
Steigt da nicht eine unendliche Verzweifl ung in einem hoch?
Entweder falle ich in ein tiefes schwarzes Loch oder ich muss diesen Tag
meines Unfalls als den Beginn eines neuen Lebens betrachten. Und das
tat ich. Dabei hat mir ein Kurs für mentales Training sehr geholfen, den ich
Jahre zuvor belegt hatte. Es ging darum, positiv zu denken und zu fühlen.
Die anderen Patienten in Rollstühlen haben sich damals immer gewundert,
warum ich so oft gut gelaunt war. Meine Freunde und Familie haben mir
auch sehr geholfen.
Hätten Sie sich vorher ein Leben ohne Biken vorstellen können?
Vor dem Unfall beschäftigten mich bereits Gedanken über meine Zukunft als
Bikeprofi . Denn der Körper kann nicht ewig diese Strapazen aushalten. Und
es gibt auch heute nur wenige Fahrer, wie Cedric Gracia, Darren Berrecloth
und Dave Mirra, die mit dem Bikesport richtig gut Geld verdienen.
Nun sind Sie Mitgründer und Geschäftsführer von „rasoulution“. Überrascht?
Mein Plan war das nicht. Ich hätte auch nie gedacht, dass sich nach dem
Unfall so viele Fahrer und Fans für mein Schicksal interessieren. Oder,
dass mir Sponsoren wie Oakley und Red Bull treu bleiben. Red Bull führt
mich bis heute als Athlet und ernannte mich zum Botschafter für „Wings for
Life“ – eine Stiftung, die sich der Heilung von Rückenmarksschädigungen
verschrieben hat (www.wingsforlife.com).
Warum blieben Sie dem Bikesport treu?
Ich schrieb nach dem Unfall zunächst Berichte für das Bike-Magazin und
organisierte 2004 zusammen mit Cory Moore den ersten urbanen Freeride-
Event für Biker, den „Ride to the Lake“ am Bodensee. Erst daraus entstand
die Idee „rasoulution“ zu gründen – und zwar ein Jahr später zusammen
mit Anne Baltes, einer Freundin aus München. Anne kümmert sich als
diplomierte Betriebswirtin vor allem um administrative und organisatorische
Angelegenheiten.
Die Qashqai Challenge ist also nicht das einzige Projekt , das „rasoulution“ konzipiert
und organisiert?
Wir sind offen für alles. Auch Boardsport oder Musik liegen uns. Aber
momentan haben wir unseren Schwerpunkt im Bikesport. Weitere Events
wie der „ 26TRIX“ oder der „White Style“ im Bikepark von Leogang laufen
über uns. Außerdem betreuen wir einzelne Topfahrer wie Benny Korthaus,
Trond Hansen oder Andreu Lacondeguy. Und wir veranstalten jedes Jahr die
Europa-Premiere von New World Disorder, deren Videos Maßstäbe setzen.
Hat so ein Video Tarek Rasouli zum Biken gebracht?
Nein. So etwas gab es damals noch nicht. Ich war
sieben Jahre alt und wünschte mir eines von diesen
Bonanza-Rädern zum Geburtstag. Aber die
waren ausverkauft, und so bekam ich von
meiner Mutter ein BMX 2000 geschenkt.
Zum Glück! So hatte mich der Bike-Virus
gepackt.
www.rasoulution.com