Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 3 | JUNI / JULI 2008 - IndexWANDERN – Berge statt Beach
Wie durch einen verwilderten Garten Eden schlängelt sich der Weg vom
gut 1.000 Meter hohen Pass Genna Silana südlich von Dorgali hinab in die
Gorroppu Schlucht. Ziegen grasen mit bimmelnden Glöckchen am Hals unter
tausend Jahre alten Steineichen, Eidechsen sonnen sich auf kalkig grauen Felsblöcken. Hoch in der
Luft zieht ein Goldadler seine Kreise. Wenn sich die Strände in Sardinien leeren, beginnt in den Bergen
die Wandersaison. Zu den ursprünglichsten und wildesten Ecken zählt der Nationalpark Golfo di
Orosei zwischen Supramonte und Gennargentu-Massiv. Guide Gavino ist hier am liebsten mehrere
Tage am Stück unterwegs. „Hier tauchst du ein in die Welt der Hirten“, sagt er. „In der Ruhe der
Natur sind fünf Tage so erholsam wie 15.“ Berghütten? Fehlanzeige. 700 Höhenmeter tiefer, am Eingang
der Gorroppu-Schlucht laden Gumpen zu einer Erfrischung ein. Aber auch die Schlucht selbst
spendet Kühle. Sie zählt zu den tiefsten und längsten in Europa. Die eng zusammen rückenden Felswände
lassen keinen Sonnenstrahl in ihren Grund. Wer von hier hinauf ans Tageslicht will, muss sich
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entweder Gecko nennen oder zu den Spitzenkletterern
zählen. „Hotel Supramonte“ heißt die Tour in der
Mitte der Schlucht – Übernachtung inklusive. Denn
die 400 Meter hohe Felswand, teils überhängend,
und durchgehend in höchsten Schwierigkeitsgraden,
lässt sich in einem Tag kaum bezwingen. Eine deutlich
entspanntere Alternative für den Rückweg ist da
dann doch der Pfad entlang des grün schimmernden
Riu Flumineddu Richtung Dorgali.
Rund 4.000 Routen sind laut Kletterführer Luca
Mandas fix installiert. Im Sommer ist eher die
Zeit für Kajaktouren, fürs Klettern ist es dann
nämlich zu heiß! Die Vielfalt der Insel läßt sich
in der heißen Saison gut auf Wanderungen
erkunden. Entlang blanker Felswände sind die
Wege mittags schattig und angenehm kühl.