Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 3 | JUNI / JULI 2008 - Index

BIKEN – Ritte wie im Western
Dass Biken auf Sardinien etwas ganz Spezielles ist, wird schon klar, als Bike
Guide Alessandro in seiner Werkstatt in Luogosanto am Abend vor der Tour
seinen Rucksack packt. „Gardena“, ruft Alessandro und lässt mit der rechten
Hand stolz seine zusammenklappbare Gartenschere auf- und zuschnappen.
Mit spitzbübischem Grinsen schwenkt er in der Linken eine kleine Handharke. Wozu das Werkzeug
nötig ist? „Das werdet ihr morgen sehen!“ In endlosen Serpentinen, vorbei an knorrigen Korkeichen,
windet sich die Schotterstraße hinauf in die Hügel der Gallura, wie die Landschaft hier im Norden
Sardiniens heißt. Es ist Anfang Oktober. Trotzdem heizt die Sonne am wolkenlosen Himmel noch
mächtig ein. Jetzt wird auch klar, wozu die grob gezimmerten Holzhüttchen auf den Bergkuppen
dienen. „Hier schieben Beobachtungsposten in den heißen Sommermonaten Feuerwache“, erklärt
Alessandro. Am Horizont schimmert als weißer Streifen Korsika, davor tiefblau das Meer – die Costa
Smeralda mit ihren millionenschweren Yachten in den Buchten. Ein krasser Kontrast. Denn das Hinterland
der Gallura wirkt auf den ersten Blick ausgetrocknet und karg, von Luxus kein Spur. Doch
hinter der nächsten Kurve wechselt die Kulisse schlagartig. Der Trail führt in eine Landschaft wie aus
einem Westernfi lm. Immer neue, bizarre Felsformationen tauchen auf. Mit ein bisschen Fantasie verwandeln
sie sich auch ohne hitzebedingte Fata Morgana in Kojoten, Pferde oder Geister gestalten.
Ob dahinter Indianer lauern?
„Du hast wohl zu viel Winnetou gelesen“, albert Maren. „Lass uns lieber den Singletrail dort nehmen.“
Weit kommt sie allerdings nicht. Nach ein paar Kurven gerät sie in den Hinterhalt der Macchia:
Platten am Hinterreifen. „Ist normal“, zuckt Alessandro mit den Schultern. Jetzt macht plötzlich auch
seine Gardena-Bewaffnung Sinn. Ohne sie wäre er als Biker in dem wuchernden, dornigen Gestrüpp
hilfl os wie ein Cowboy ohne Revolver. Alessandro bringt es auf den einfachen Nenner: „Kein
Gardena – kein Singletrail.“ Doch in der kratzigen und stachligen Vegetation fi nden sich auch freundlich
gesinnte Pfl anzen. „Probier das“, deutet Alessandro auf einen Kräuterbusch, während er den
Fahrradschlauch wechselt. Zwischen den Fingern zerrieben, entfalten die schmalen Blätter stark
mentholhaltigen Geruch. „Tief einatmen!“ Puuhhh – das Zeug zieht durch bis ins Gehirn! Minuten
später ist der aus dem herbstlichen Deutschland mitgeschleppte Schnupfen wie verfl ogen!
Südwestküste, einige Tage später: nochmals Western-Feeling. Der tafelbergartige Gipfel des Monte
Arcuentu erinnert an Utah, Windböen fegen den Staub durch Geisterdörfer mit Fördertürmen alter
Minen. High Noon. Nicht Gold war hier das Objekt der Begierde, sondern Silber, Blei und Zink. Ein
Schotterweg schlängelt sich in endlosen Kurven von Montevecchio hinab zur Küste bei Piscinas.
Kilometerlange, unverbaute Sandstrände, bis zu 50 Meter hohe Dünen – nicht nur die hier lebenden
Meeresschildkröten fühlen sich wie im Paradies.
BIKE | Sardinien ist wie geschaffen für Mountainbike-
und Rennradtouren. Ideale Jahreszeiten: Frühling
und Herbst. Ob auf oder abseits geteerter Straßen, es
geht ständig rauf und runter. Mountainbike-Touren
am besten mit Guide oder auf von Bikeveranstaltern
recherchierten Routen unternehmen. Detaillierte
Karten gibt es kaum. Viele Wege und Pfade enden in
Sackgassen oder an den Toren von Privatgrundstücken.
Wichtig: robuste Schlauchlosreifen aufziehen. Ideal für
Rennradfahrer sind die einsamen Straßen im Landesinneren.Veranstalter:
Gallura BikePoint (in Luogosanto),
Tel. +39/079/65 90 13, www.gallurabikepoint.de
Dolcevita Bike Tours (in Pula), Bike- und Rennradtouren
auf der gesamten Insel, Tel. +39/070/92098 85,
www.dolcevitabiketours.com
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