Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 3 | JUNI / JULI 2008 - Index

ABENTEUER
erinnernde Landschaft helfen jedoch schnell über müde Füße und die karge Umgebung
hinweg. Trotz allem erfordert der Tjäktjapass einige Kraftanstrengung – für uns Alpengeprüfte
Bergmädels jedoch kein Problem. Nette Geste des Classic-Teams: am Gipfel angekommen,
gibt’s zur Stärkung ein paar Rosinen und aufmunternde Worte für den Abstieg,
die einige tatsächlich benötigen. Auf der anderen Seite breitet sich dann eine faszinierende
Mondlandschaft vor uns aus. Ich schiebe mir meinen x-ten Müsliriegel in den Mund, da ich
eigentlich die ganze Zeit nur an Essen, Auftanken, Trinken und meine müden Füße denke.
Am Ende des Tals liegt direkt über dem Fluss Alesjaure unser heutiges Etappenziel. Schon
Kilometer vorher können wir die Hütte auf der Anhöhe erspähen, die 14 Kilometer scheinen
uns beinahe unendlich. Aber die Vorfreude, dass man in der Hütte Proviant – das heißt für
uns: Schokolade, Bier und Äpfel – kaufen kann, macht unsere müden Füße munter.
TANJA/15. AUGUST, TAG 4:
Alesjaure Hütte - Keron-Abiskojaure Station, ca. 22,5 km
In der Nacht hat es zu regnen begonnen. Wir beschließen, mit dem Aufbruch zu warten – ein
Luxus, den sich nur wenige gönnen, wie wir feststellen, als wir die komfortable Alesjaure-Hütte
betreten. Während der Ausblick vom Fenster hinab auf den Fjord beinahe an eine Kitsch-Szene aus Inga Lindström erinnert, gleicht
die Stube einem Lazarett. Ein Team freiwilliger Helfer verarztet beinahe walnussgroße Blasen. Aus
den Gesichtern der Wanderer lesen wir Schmerz und Strapazen, aber Lisa aus
Stockholm hat ihrem Mann versprochen, die Strecke in diesem Jahr in drei Tagen
zu gehen. Wir holen uns Kaffee und Kekse. Gegen 10 Uhr hört es auf zu regnen.
Wir nützen die Pause und packen unser immer noch nasses Zelt zusammen. Die
Ruhe am See trügt. Im Sturzfl ug nähert sich ein Geschwader schwerbewaffneter,
schwarzgekleideter Mücken, die sich ohne Rücksicht auf Verluste auf uns stürzen.
Vor allem Astrids Körper zeigt Spuren der Verwüstung. Im Eilschritt versuchen wir,
die fl ache Wegpassage am Ufer entlang hinter uns zu bringen. Aus der Ferne sehen
wir die dampfenden Schornsteine einer Lappensiedlung auf der gegenüberliegenden
Seeseite. Die Mücken werden weniger, dafür geht der leichte, teilweise mit
Gras bewachsene Weg in einen unwegsamen, abfallenden Pfad über. Die Fußsohlen
brennen von den spitzen Steinen, als wir den Berg Kartinvare endlich umrundet haben
und es bergab in einen Birkenwald geht. Dann erreichen wir den letzten Streckenposten.
Die Freude ist groß, vor allem als wir die große gusseiserne Pfanne mit frischen
Pfannkuchen, serviert mit Moltebeeren und Schlagsahne erspähen – eine willkommene
Abwechslung zu gefriergetrockneten Asiaspezialiäten. Überall entschlossene Gesichter.
Viele wollen heute noch den Weg nach Absiko schaffen. Wir verlegen unseren Endspurt
auf morgen, und zweigen kurz nach der Grenze des Abisko Nationalparks nach links ab.
Unser Ziel heißt Abiskojaure, ein tiefblauer See mit echtem Sandstrand. Morgen würde
alles vorbei sein – Erleichterung oder Wehmut, darüber bin ich mir heute noch nicht im
Klaren, aber defi nitiv eine Portion Stolz auf unser Frauen-Duo.