Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE No. 3 | JUNI / JULI 2008 - IndexABENTEUER
Wie ein Orkan kam es uns vor, letzte Nacht, als wir beinahe ununterbrochen wach lagen, um unsere Zeltstangen
zu halten. Der harte Boden hat die Zeltheringe immer wieder ausgespuckt, und das lose Zeltsegel verwandelte
jedes Lüftchen in eine Dampfl ock, die donnernd durch das Zelt raste. Schlafmangel und leichte Schmerzen in
Rücken und Beinen treiben uns aus dem Zelt. Draußen ziehen bereits Wanderer an uns vorbei, manche von ihnen
nur mit Turnschuhen und Trinkgurt ausgerüstet – Extremläufer, die gestern Abend erst gestartet sind. Uns zieht
viel mehr das mächtige Kebnekaisemassiv in seinen Bann – und die tief hängenden Wolken. Ein kurzer Schauer,
dann ist alles vorbei. Auf dem Weg zum Checkpoint in Singi begegnen wir
einer Gruppe vom Vortag. Der Pfad ist leicht begehbar, doch
bis zur Singi-Hütte schlängelt er sich steinig bergauf.
Mittagszeit in Singi. Astrid zieht einen Beutel
Chicken Tandoori aus dem Rucksack –
klingt seltsamer, als es schmeckt. Dem
Blick über das Tjäkjavagge Tal können
wir uns kaum entziehen. Kurz nach
Singi stoßen wir auf den Hauptweg des Kungsleden; Wir laufen an einem
Rentiergehege vorbei, dann öffnet sich das nächste Tal. Die ersten Blasen
bei unseren Mitwanderern verlangsamen bald den Schritt der Gruppe. Es
wird kaum mehr ein Wort gesprochen. Der Weg nach Sälka, ein holpriger
Zick-Zack-Kurs, immer wieder unterbrochen von Holzplanken, scheint kein
Ende zu nehmen. Jeder kämpft mit sich und den Schmerzen, die bald nicht
mehr lokalisierbar sind. Die Bergwelt schießt unbeachtet an uns vorbei. Am
Ende der Tagesetappe angekommen, sind wir zu kraftlos, um die Sauna
in Anspruch zu nehmen. Wir stürzen uns vielmehr auf die vom Veranstalter
gereichten „Ren klämma“ (Fladenbrot gefüllt mit Rentierfl eisch und
Kartoffelpüree). Mit dem anschließenden Kaffee kehrt das Lächeln in die
Gesichter zurück. Ein Stück weiter schlagen wir unser Zelt auf. Es ist 22
Uhr und kein bisschen dunkel, dennoch wünsche ich mir nichts sehnlicher
als ein Bett. Just im Moment nähern sich uns zwei Gestalten: Gerald und
Rüdiger, sie haben eine Zusatzetappe eingebaut, den Gipfel des Kebnekaise!
Astrid hat heimlich im Sälka-Kiosk eine Dose Lättöl-Bier gekauft.
Herrlich! Dann schlafen wir erschöpft ein.
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Geweckt von Sonnenschein und leckerem Kaffeeduft,
beschließen wir an diesem Morgen, unterhalb unseres
Zeltplatzes an einem herrlich glitzernden Gebirgssee zu
früh stücken. Die Temperatur ist genau richtig, um sich nach
dem anstrengenden Vortag gründlich zu waschen, und ich
beschließe, mir sogar die Haare zu shampoonieren – in herrlich
klarem, aber trotz allem eiskalten Wasser. Das heißt Zähne
zusammenbeißen, aber das Gefühl, fast wie frisch geduscht
die nächste Etappe anzugehen, belohnt schnell für ein wenig
Zähneklappern. Tanja und ich starten Richtung Tjäktja, über den
höchsten Punkt des Kungsleden auf 1.413 Meter Höhe. Der Weg
ist zwar beschwerlich, der Ausblick und die an „Herr der Ringe“