Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SKIPRESSE No. 11 | OKTOBER / NOVEMBER 2008 - IndexAbfahrt morgens um sieben Uhr von München Richtung
Süden. Erstes Ziel: das westlichste Skigebiet der Kitzbüheler
Alpen, das Alpbachtal. Während sich unser Auto nach
etwa eineinhalb Stunden Fahrt mühsam die Serpentinen
in das versteckte Tal hinauf kämpft, steigt die Vorfreude
auf einige richtige Powdertage. Kurz darauf parken wir auf
dem kleinen Parkplatz vor der Wiedersberger hornbahn.
Das Abenteuer kann beginnen.
Familien mit kleineren Kindern dominieren die überschau
bare Liftschlange. Beim genaueren Hinsehen entdecken
wir zwei Locals, die ebenfalls mit breiteren Latten unterwegs
sind. Wir sind also nicht die Einzigen, und wegen
des Neuschnees begrüßen uns schon direkt am Gondelausstieg
die ersten Tiefschneehänge. Nicht schlecht für
den Anfang. Nach zwei, drei Abfahrten schultern wir die
Ski und machen uns an den Aufstieg auf den Gipfel des
Wiedersbergerhorns, an dessen Ostflanken sich das Skigebiet
befindet. Etwa 15 Minuten dauert der Aufstieg. Vom
Gipfelkreuz aus können wir erstmalig erkennen, dass von
hier oben Abfahrten in alle vier Himmelsrichtungen möglich
sind. Wir entscheiden uns für die nordseitig gelegene
Powder Bowl und gelangen nach 400 Höhenmetern in
staubendem Tiefschnee zum Vierersessel Kohlgrubenlift,
fahren wieder hinauf und beschließen, uns dieses Mal
weiter links zu halten und über die Lichtungen bis hinunter
nach Reith zu fahren. Vom 2.128 Meter hohen Gipfel sind
es gut 1.400 Höhenmeter bis nach Reith auf 700 Metern.
Es ist zwar nicht besonders steil, dafür aber eine absolute
Genussfahrt. Wer hätte solch einen langen Run im beschaulichen
Alpbachtal erwartet?
Die typische Tiroler Architektur ist es, für die das Alpbachtal über die Landesgrenzen
hinaus berühmt ist. Immer wieder errang Alpbach in der Vergangenheit Auszeichnungen
als besonders schönes Bergdorf. Zurückzuführen ist dieses heimelige
Flair auf Alfons Moser, der als Bürgermeister in den 1950erJahren eine Bau ordnung
erließ, nach der ein Haus nicht mehr als zwei Stockwerke haben durfte und über
wiegend aus Holz gebaut sein musste.
Doch noch geben wir uns nicht damit zufrieden, „nur“ durch das Dorf zu schlen
dern. Mit Skibus und Gondel geht es wieder hinauf. Nach einer kurzen Jause auf der
Sonnenterasse der Asthütte nehmen wir die Hornbahn 2000 und traversieren den
Grat entlang zur gekennzeichneten Baumgartenroute. Über weite Almwiesen führt
uns diese hinunter nach Inneralpbach. Genug Platz, um auch noch nachmittags
eine eigene Line in den Schnee legen zu können. Gerade für OffPisteEinsteiger ist
diese Variante bestens geeignet.
Am zweiten Tag führt unser
Weg in die Bezirkshauptstadt
Kitzbühel. Nicht jedoch
der große Skizirkus rund um
Hahnen kamm und Pengel
stein ist unser Ziel, sondern
das kleine Ski gebiet am
genau 2.000 Meter hohen
Kitzbüheler Horn. Gerade
während der Hauptsaison,
wenn man drüben an
Hahnen kamm und Fleckalm
bahn mit 30 Minuten War
tezeit rechnen muss, kann
man am Horn in aller Ruhe
seine Spuren in den Schnee
ziehen. An der Mittelstation
wechseln wir in die „große“
Gondel, die direkt auf den
Gipfel fährt. Ein phantastischer Rundblick über Kaisergebirge, Loferer Steinberge
bis hin zu den hohen Tauern lässt uns dort einige Minuten ausharren. Dann stürzen
wir hinein ins Vergnügen. Denn auf der Rückseite des Horns wartet ein Freeride
Hang der Superlative. Ganz nach Gusto können wir zwischen kurzen Couloirs, Cliffs
in jeder Größe, steilen Passagen oder einem weiten Hang auswählen. Herrlich! Was
für ein Spielplatz. Der mittelalterlich anmutende Sessellift Raintal lässt auf der rund
zwanzigminütigen Bergfahrt die Muskeln wieder regenerieren.
Nach mehreren Abfahrten zieht es uns hinüber zum Hornköpfl, wo wir zuvor lichte
Baumabfahrten erspäht haben. Auf dem Weg dorthin kann man noch eine Kicker
Line im Funpark mitnehmen. Doch der krönende Abschluss des Tages steht erst
noch bevor. Vom Gipfel aus stechen wir erneut in unseren Lieblingshang. Diesmal
halten wir uns jedoch möglichst weit links und traversieren. Statt am Ende wieder
rechts zum Raintallift abzubiegen, überqueren wir den Hoferschneit Grat