Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - Deutschland_2007_2008 - Index

Literaten von links:
Max Frisch © Andrej Reiser |
Mark Twain © Piper Verlag SV-Bilderdienst |
Hermann Hesse © Suhrkamp Verlag |
Robert Musil © Rowohlt Verlag |
Ernest Hemingway © Rowohlt Archiv
© Robert Schoenbaechler
Heidis Welt als Symbol für das Gute
Wie viele seiner Kollegen kam Thomas Mann den Bergen nur bis zu einem bestimmten Punkt nahe. 1912
zwang seine Frau eine Krankheit zu einem längeren Sanatoriumsaufenthalt in Davos. Die Alpenatmosphäre
und die Schilderungen seiner Frau inspirierten ihn zu „Der Zauberberg“. Im Sanatorium begleitet er seine
Hauptfigur vom Leben zum Tod. Wo sonst, als an der Grenze zwischen Wildnis (am Rand der Berge) und einer
Stadt könnte dies besser gelingen? Der Topos von der heilen Bergwelt, konterkariert bei vielen Literaten
mit dem Bösen, das im roten Cabriolet aus der Stadt inmitten der unverdorbenen Alpenwelt heranbraust,
wie beim Alpen-Kitsch-Klassiker „Heidi“. Im Heidiland, beim Großvater in Graubünden, ist die Welt noch in
Ordnung. Häufig verlegten die Literaten Handlungsstränge in die Alpen, um ihre Geschichten als Parabel zu
erzählen, wie Max Frisch in „Der Mensch erscheint im Holozän“. Durch einen Bergrutsch von der Außenwelt
abgeschnitten, erlebt der Erzählende das einsame Dahingehen aus der Welt – ein Meisterwerk sprachlichen
Doppelsinns. Das Subjekt ist auf sich selbst zurückgeworfen und verliert sich peu à peu, wird klein und
unbedeutend. Seit Stefan Zweig im „Riffelalp Resort“ 1926 in Zermatt lebte, hat sich der fantastische
Ausblick auf das Hörnli kaum verändert. Oder etwa doch? Fragt man die Damen im Tourismusbüro nach
Stefan Zweig, kommt man nicht weit: „Noch nie von ihm gehört“. Zu fern ist Zweig. Sonst ist alles nah am
Damals, als Zweig schwärmte: „Wahnsinn, überhaupt von hier wegzugehen – eine Sonne wie hier, 3.000
Meter hoch ist unvergleichlich“. Er liebte es, im Riffelalp Resort zu sitzen, zu beobachten. „Rausch der
Verwandlung“ ist eine Beschreibung von Pontresina, inspiriert von der Begegnung mit jenen „ignoranten
Zeitgenossen, die sich in den feinen Orten der Hochgebirge nicht vom 2. Weltkrieg stören lassen wollen“.
Diesen Zeitgenossen stellt er in seinem Roman die bürgerliche Christine, eine modernere Heidi, gegenüber,
die durch die Ballsäle tanzend den „fruchtigen Duft der Alpen“ einsaugt und mit „begeisterten Blicken
granitene Hänge hinauf hastet“.
Höchste Höhen und tiefste Abgründe – real und mental
www.skipressworld.com |
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Den „schwarzen, Schnaps trinkenden Jesus“, nannten die Einheimischen die Gestalt des damals hohlbäuchigen
Hemingway. 1924 entdeckte er seine Liebe zum Skilauf im vorarlbergischen Schruns. Er verbrachte
die Zeit mit dem verbotenen Pokerspiel, Enzian, Wein und unheimlichen Mengen Forellen: „Wir
liebten Schruns.“ Kirschwasser gab es in solchem Überfluss, dass man es ihm und seinen Freunden zum
Abreiben gab, wenn sie von einem Geländelauf mit Seehundfellen im „Madlenerhaus“ einkehrten. Schruns
war für ihn ein guter Platz zum Arbeiten. Nachzulesen in „Short Stories“ und „Fiesta“, das Hemingway dort
umschrieb. Wie er erlebte auch der am liebsten nackt kletternde Hermann Hesse die Berge als eine körperliche
und geistige Welt. Neuere Literaten wie James Salter mit „In der Wand“ oder Cristoph Ransmayer in
„Der fliegende Berg“ wollen genau dies. Sie wollen fühlen, leiden, Lust spüren und selbst erleben, was einst
schon Nietzsche vor ihnen auf seiner ersten Reise ins Engadin 1879 tat – die höchsten Höhen und tiefsten
Abgründe im realen wie im geistigen Leben erfahren. Nietzsche schickte Zarathustra für zehn Jahre in die
Berge. Gefüllt mit Weisheit, will er diese danach mit den Menschen teilen. Eine schwierige Aufgabe, nachzulesen
in „Also sprach Zarathustra“, einem zeitlosen Schatz der Philosophie. Und mehr wird heute nicht
verraten. Denn all diese Werke und noch mehr sind nur einen Gang in den Buchladen entfernt und eröffnen
teilweise eine völlig andere Bergwelt, die vielen von uns mittlerweile völlig unbekannt ist ...
Wohnen in kreativer Umgebung und sportlich aktiv sein?
Hier waren unsere Literaten unter anderem untergebracht:
Robert Musil
Posthotel Kassl, Oetz, Tel.: +43/52 52/63 03, Zimmer 57 Euro, Aktiv: Ski &
Langlauf, Bergtouren.
Ernest Hemingway
Madlenerhaus, Silvretta, Tel.: +43/55 58/42 34, Bett 8 Euro. Aktiv:
Langlaufloipe und Skilift vor der Haustür, Skitour zum Piz Buin oder Silvretta-
Durchquerung. Im Sommer Biken und Wandern.
Mark Twain
Rigi Kulm-Hotel, Rigi-Kulm, Tel.: +41/41/855 03 03, Zimmer 110 sFr, Aktiv:
Sonnenaufgang auf 1.800 Meter genießen, Wandern, Seminare und Tagungen.
Thomas Mann
Waldhotel Davos, Davos, Tel.: +41/81/415 15 16, Zimmer 170 Euro, Aktiv: Golf,
Ski und Wellness.
Stefan Zweig
Riffelalp Resort, Zermatt, Tel.: +41/27/966 05 55, Zimmer 270 Euro. Aktiv:
Matterhorn besteigen oder anschauen, Ski – und Skitouren, Hundeschlittenfahrten,
Curling. Anreise mit dem IC 742 „Stefan Zweig“ ab Wien.