Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE_APRIL_MAI_2008 | No. 2 | Deutsch - Index66 | lEtztE SEitE
text Sebastian Schulke Foto Naish
8 FRagEn an roBBy NaiSh
der kleine Junge mit den blonden zerzausten haaren war sechs Jahre alt, als sein vater den Entschluss fasste, San diego zu
verlassen und mit seiner Familie nach hawaii zu gehen. Er eröffnete einen Surfshop und baute Surfbretter – auf die sich auch
Robby immer öfter stellte. mit 13 Jahren gewann Robert Staunton naish seinen ersten wm-titel im windsurfen. Es folgten weitere
unzählige titel und triumphe – auch im wellenreiten und Kitesurfen. mehr als 20 Jahre lang beherrschte Robby den boardsport zu
wasser und in der luft. 2001 trat er zurück und erregt seitdem in der businesswelt aufsehen.
SportPresse: herr naish, viele große Sportstars fallen nach dem Ende
ihrer aktiven laufbahn in ein loch und leiden an langeweile.
Sie langweilen sich nicht im geringsten?
Langeweile habe ich in meinem Leben noch nie
verspürt. Zumal ich immer noch jeden Tag auf dem
Brett stehe und das Glück habe, ein super Team
bei „Naish Sails Hawaii“ hinter und vor mir stehen
zu haben.
dann arbeiten Sie eigentlich gar nicht?
Doch, doch! Ich habe zwar noch nicht einmal einen
eigenen Schreibtisch bei uns im Büro. Aber dafür
sitze ich fünf Monate im Jahr im Flugzeug und reise
quer über den Globus von Termin zu Termin. Hawaii
ist zwar der schönste Flecken der Erde, aber
Business kann man von hier aus nicht so einfach
betreiben.
wie genau sieht ihr business aus?
Ich habe relativ früh angefangen, mich darum zu
kümmern. So war ich in den 80ern Mitbegründer
von Quiksilver Europe, habe die Kontakte zu
meinen Sponsoren immer gepflegt und so einen
direkten Einblick in die Geschäftswelt erhalten. Das
hilft mir heute sehr. „Naish International“ hat sich
sehr gut auf dem Markt etabliert. Wir ent wickeln
und produzieren Hardware und Software fürs
Windsurfen, Wellenreiten und Kitesurfen. Daneben
arbeite ich noch als Boarddesigner
für Mistral ...
... drei Surfshops und eine Surfschule auf hawaii gehören ihnen auch
noch. bleibt da noch zeit für ihre Familie?
Familie und Freunde werden für mich immer
wichtiger. Früher war ich schon sehr ego zentrisch,
alles drehte sich um meinen Sport. Der Sport war
einfach alles für mich, mein Leben. Auch heute
noch. Ich liebe es, mit dem Brett ganz allein auf
dem Meer zu sein. Ein geselliger Typ war ich nie
und werde ich auch nie werden. Doch seit der Geburt
meiner zweiten Tochter, christina, betrachte
ich das Leben aus einem anderen Blickwinkel –
etwas differenzierter. Sie ist vor ein paar Wochen
ein Jahr alt geworden und erfüllt mein Leben mit
unglaublicher Freude.
wie hat sich der Surfsport in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Jeder extreme Sport, sei es nun Windsurfen,
Kitesurfen, Wellenreiten, BMX, Skateboarden oder
auch Snowboarden befindet sich in einer stetigen
Entwicklung. Das Material verändert sich ständig,
die Rider kreieren laufend neue Tricks und werden
zudem immer jünger. Aber gerade beim Surfen
fehlt es immer noch an der gewissen Professionalität.
Daran hat sich nicht viel ge ändert. Da muss
man sich nur mal die Weltcup-Serie anschauen, die
ihr großes Potential, was Medien, Zuschauer und
Strukturen angeht, immer noch nicht voll ausreizt.
Sie haben im Surfsport alles erreicht. gibt es für Sie bei all den
triumphen und trophäen überhaupt noch träume?
Ich bin immer schon ein Träumer gewesen. Große
Pläne schmieden und Ziele anvisieren war nie so
mein Ding. Und so träume ich am Tage und in der
Nacht. Allerdings keine großen Träume, keine großen
Dinge, die Jahre bis zu ihrer Erfüllung benötigen.
Ich erfreue mich an Kleinigkeiten, die das Leben
einfach schöner machen.
Erfreuen Sie sich als Surfer auch am Snowboarden?
oh! Ich stand die letzten beiden Winter nicht ein
Mal auf dem Snowboard. Dabei empfinde ich beim
Snowboarden im Tiefschnee genauso ein wunderbares
Gefühl wie beim Surfen.
ähnliche gefühle sollen Sie ja auch entwickeln, wenn es um schnelle
autos geht ...?
oh ja. Ich liebe schnelle Autos. Deutsche Autos
stehen da ganz oben auf meiner Liste. In meiner
Garage hier in Kailua auf oahu steht ein alter
Porsche. Allerdings verstehe ich mehr vom Fahren
als vom Rumschrauben. Und so stehen meine
Rennmaschinen oft in der Werkstatt. Aber ich liebe
es nun einmal, schnell zu fahren. Geschwindigkeit
berauscht und verfolgt mich schon mein ganzes
Leben.