Ski Press World Inc. - IndexSki Press World Inc. - SPORTPRESSE_APRIL_MAI_2008 | No. 2 | Deutsch - IndexDer Sylvensteinspeichersee im Karwendel ist randvoll mit Wasser. Es regnet seit Tagen. Nur heute
gibt der Regen Ruhe. Im Tal ist es ruhig und feucht, die Bäume glitzern. Für sieben Manager beginnt
in Fall bei Lenggries der dritte Trainingstag. All diese Männer leiten Unternehmen mit bis zu 80 Mitarbeitern.
Der clou an der Geschichte: ihre Unternehmen interagieren. Je besser die Zusammenarbeit
funktioniert, umso erfolgreicher ist das Gesamtunternehmen. Also soll die Kommunikation
verbessert werden
DAS SPIEL BEGINNT
Manager stellt man sich im Allgemeinen
anders vor als in Jeans und Jack-
REPoRtagE | 41
Wolfskin-Jacken. Dass sie alle Umsätze
erzielen kann. Jedes team kann nur so viel leistung bringen, wie die Führungskraft zulässt.
im dreistelligen Millionenbereich machen,
nötges & Partner, tel. 0 52 51/64 08 64, www.noetges-partner.de, operieren als Unternehmensberatung und Personalentwickler. in
sieht man ihnen nicht an. Heinz Nötges
den Seminaren werden methoden zur besseren zusammenarbeit und Führungstrainings angeboten. der gründer heinz nötges arbeitet seit
veranstaltet solche Trainings seit mehr als
1975 als trainer. die bergschule hydro alpin in lenggries, tel. +49/80 42/9 85 31, www.hydroalpin.de, arbeitet seit einigen Jahren
30 Jahren. Der Mann ist die Ruhe selbst,
in lenggries-Fall mit heinz nötges zusammen. bergschulleiter Franz Perchtold kümmert sich um die Sicherheit der gruppen und seilt die
völlig cool. Und eine Rheinische Frohnatur.
teilnehmer zum abschluss in eine tiefe Schlucht ab. dieser teil gehört natürlich zum training. Führungskräfte sollen dabei lernen, auch
Immer mit einem Witz auf den Lippen –
„nein“ zu sagen und eigene ängste vor der gruppe zuzugeben, um gegenseitiges vertrauen zu stärken.
oder einer Zigarette dazwischen. Heinz
kennt die Gruppe seit zwei Tagen. „Ziel ist,
dass sie enger miteinander kommunizieren“, sagt er. Am Anfang steht ein Soziogramm. Das hat
er gestern bereits erstellt. Nun beginnt die nächste Teamanalyse. Bei der ersten Parcour-Übung
(Wurfspiel mit dem Tennisball) stellen sich die sieben im Kreis auf. „Augenkontakt zum Gegenüber
behalten ist wichtig. Doch genauso muss das Randgeschehen im Auge behalten werden.“
Martin, Peter, Mark aus Frankreich und die anderen Manager fangen an, ihrem Gegenüber einen
Ball zu zuwerfen. Nur durch stetigen Augenkontakt können mehr Bälle gleichzeitig durch die Luft,
von Mann zu Mann, fliegen. Das gelingt nicht immer. Auch Manager haben Schwächen. Die Atmos-
phäre aber ist entspannt, der Umgangston locker. „Die Gruppe hat viel Kultur und Intelligenz“
vertraut Heinz mir an, „das ist eher selten."
NIcHTS TUN IST ScHWERER ALS TUN
Parcourübung zwei. Am Schwebebalken lautet die Kernfrage: Kann man verantwortung abgeben?
Nur mit wenig Bewegung wird das Ziel, dass alle auf dem schwebenden Balken stehen, erreicht.
„Bewegen sich alle gleichzeitig, folgt chaos. Doch nichts zu tun fällt besonders schwer.“ Helmut
tut sich hart dabei, bewegungslos in der Mitte zu bleiben. „Die anderen arbeiten lassen, loslassen
und vertrauen haben – das ist schwierig“, sagt Heinz. Damit alle auf dem Balken stehen und ihn
für einige Sekunden schwebend über dem Boden halten können, bedarf es klarer Kommunikation.
Anfassen ist erwünscht (wie bei vielen outdoorübungen schafft Anfassen vertrauen und verbindet).
viele Hände unterstützen, greifen und geben Sicherheit. Die Lösung ist die klare Kommunikation
durch eine Führungsperson. Diesmal ist es Peter.
PERFEKTIoN KANN AUcH ScHWäcHEN
iNFo teamtraiNiNG
Peter will nicht nur im Wald mehr Gruppenführung. Schon nach der ersten Übung spürt man eine leise
Rivalität zwischen ihm und Martin, dem Unternehmensführer. Der dünn gebaute Martin mit seiner
knallig orangen Haglöfs-Jacke ist der oberboss der Großhandelskette. Das bemerkt man hier draußen
nicht. Im Wald offenbaren sich Problematiken und Zusammenhänge, die unter normalen Umständen
verborgen bleiben. Trainer Heinz spricht offen und direkt: „Ich bin mit Beton groß geworden und
hasse diese outdoorscheiße eigentlich. Wenn ich nicht genau wüsste, dass diese Kommunikationsübung
nur draußen stattfinden kann – ich würde nicht hier stehen.“ Berge sind nicht seine Welt. Heinz
zündet sich seine nächste Zigarette an. Parcours drei: Diskutierend steht die Gruppe vor einer drei
Meter hohen Holzwand. Ruckzuck haben sie die Lösung gefunden und das Hindernis gemeistert.
Heinz lobt, weist aber auf Mängel hin. „Wenn Ungeduld auf Perfektionismus
alle teams durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen. Ein team braucht Freiheit, aber auch klare leitlinien, damit es maximale leistung
Gemeinsam einen logischen Plan entwerfen und sich
bei der umsetzung gegenseitig helfen. das lernt man
draußen, im waldparcours, am besten.