Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE_APRIL_MAI_2008 | No. 2 | Deutsch - Index

„Digger“ oder „ Dangerous Dan“ lauten die Künstlernamen
jener North-Shore-Trailbauer der ersten Stunde.
Tod „Digger“ Fiander ist der Bekannteste. Er ist
Kult. Jay Hoots, ein weiterer North-Shore-Bikeveteran
und heute Geschäftsführer von Hoots Gears, bestätigt:
„Digger hat den Berg am meisten beeinflusst.“ Norco’s
PR- und Marketing-Manager Peter Stace Smith – seit
den 80er-Jahren in der North-Shore-Szene zu Hause
und dort mit dem Titel „All Mountain Zen Master“ versehen
– fügt hinzu: „Digger ist ein echter Künstler.“
Als die ersten Mountainbiker die zu den North Shores
zählenden Bergspitzen Black, Strachan, Hollyburn,
Grouse, Fromme und Seymour für sich entdeckten,
gab es weder Federgabel noch Scheibenbremse
oder richtig fette Reifenstollen, die es mit dem feuchtweichen
Nadelwald-Boden überhaupt aufnehmen
konnten. Es gab nur ein Gesetz: „Das Konzept ist,
dass es keine Grenzen gibt.“ oder wie es Angie Ho,
einstige Bikekurier-Fahrerin und North-Shore-Bikerin
der ersten Stunde ausdrückt: „Wir sind da einfach
runtergefahren, ohne nachzudenken. Hey, wir ha-
ben das einfach gemacht!“ Heute ist Angie wie viele
North-Shore-Radler der ersten Stunde auch weiterhin
in der Bikeszene aktiv. Angie ist besipielsweise Macherin
von core Rat (Angie Wear) und setzt vor allem
auf Protektoren. Die braucht man heute beim North-
Shore-Freeride – inklusive Integralhelm.
„Die steilen und rauen MTB-Trails der Shores schrieen
regelrecht nach verrückten Fahrmanövern,“ erklärt
chris Makuch, ein Bike Freak, der in den Hängen
der North Shore wohnt und bei Norco Performance
Bikes arbeitet. Später kamen Leute aus der BMX- und
Motocross-Szene hinzu. Sie beeinflussten die MTB-
Pioniere. So wurden etwa die Lenker höher, und es
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kamen fette Bärentatzen- anstelle von Klickpedalen zum Einsatz. Nach und nach ent wickelten sich
hier Hardcore-Freeride-Bikes und -Downhill-Maschinen, mit denen man die immer größeren und
schwierigeren Hindernisse überwinden konnte.
Banshee Bikes, Brodie Bikes, cove Bikes, Knolley Bikes, Kona Bikes, Norco Performance Bikes,
Rocky Mountain Bicycles – wohlklingende Namen, die Hardcore-Freerider und Downhiller mit der
Zunge schnalzen lassen. Schließlich haben diese Bike-Anbieter eines gemeinsam: Sie sind echte
Kinder der Westküste und der North Shore. Weltweit leben sie von dem Image, ziemliche robuste
Produkte für den absoluten Hardcore-Einsatz zu bauen. Ihre Downhill- und Freeride-Maschinen sind
auch international sehr angesagt. Hinzu gesellen sich Parts-, Zubehör- und Bikewear-Marken wie
Roach, Race Face, Syncros (jetzt in US-Händen), Sombrio, Hoots Gears oder core Rat. Sie sind alle
„North Shore approved“.
Um überhaupt irgendwelche Hindernisse in den steilen und dunklen Nadelholz-Wäldern der North
Shore überwinden zu können, machten sich Trailbauer wie Digger bereits in den frühen 80ern daran,
etwaige Hindernisse wie Felsbrocken oder herumliegende Baumstämme mit Holzrampen, Leiterbrücken
oder sonstigem zu versehen. Mit so großem Eifer, dass manchmal keine Zeit für anderes
bleibt: „Es gibt Typen, die bauen heute mehr, als selbst zu fahren“, so Makuch.
Wie die immer noch aktive Trailbau-Legende zu ihrem Namen kam? Dazu erklärt Digger selbst:
„vor vielen Jahren haben mich einmal zwei Mountainbiker auf allen vieren beim Buddeln im Wald
entdeckt. Als sie unten ankamen, sprachen sie dort von diesem Kerl aus Burley, der im Dreck ge-
buddelt hat. Davon blieb dann ‚der Buddler‘ hängen. So hatte ich meinen Namen weg.“ Zuerst habe
er Drops gebaut – „alles ohne Kettensäge!“ Dann seien Achterbahn-Kurven und Leiter brücken hinzu
gekommen: „Mit dem besseren Material stiegen auch die Ansprüche an den Trailbau. Die heutigen
Bikes haben ja gar nichts mehr mit den umgebauten, auf cruiserbasis bestehenden Mountainbikes
ohne Federung zu tun, die hier anfangs
zum Einsatz gekommen sind.“ Heute kann
Digger stolz sagen: „Meine Trails bieten die
verrücktesten Sprünge – und vor allem: einen
echten Flow. Ich habe sicherlich Maßstäbe
gesetzt für das, was man alles mit einem
Mountainbike machen kann.“ Und Peter
Stace Smith bestätigt: „Digger baute irgendwann
Sachen, die er selbst nicht mehr fahren
konnte. Aber er hat immer welche gefunden,
die es konnten.“
Neben seinem zweiten Hobby – (Bike-) Filme
machen – baut Digger jedes Jahr etwa vier
Monate an seinen Trails. Finanziert wird das
Ganze mittlerweile „vom Sponsorship einiger
North-Shore-Bikeanbieter“ sowie von seiner bekannten und erfolgreichen „North Shore Extreme“videoreihe.
Inzwischen gibt es aber mit der North Shore Mountain Bike Association (NSMBA) auch
einen verband, der sich um Trailbau kümmert. Die Wurzeln dieses verbandes liegen in der Tatsache,
dass irgendwann einmal einige der gebauten Trails echter Sabotage zum opfer fielen. Seit der Lobbyarbeit
und Aufklärung von NSMBA ist das nicht mehr der Fall.
Heute sind die North-Shore-Trails auch eine echte Touristenattraktion. Selbst befahren werden sie
allerdigs nur von den echten Freeride-cracks. Die aus Übersee starten beim ersten Mal mit gehörigem
Respekt. Zwar kann man inzwischen auch in einigen europäischen Bikeparks North-Shore-
Feeling entwickeln – das original mit seinem feucht-tiefen Waldboden und immer größeren Drops
sowie den glitschig-nassen Leiterbrücken ist aber immer noch etwas Besonderes.
Leute der ersten Stunde wie Digger oder Peter Stace Smith ziehen den Hut vor der neuen „New
School Freeride“-Szene. „Denen gehört die Zukunft des Extrem-Freeride an den North Shores,“
meint der Norco-Mann. Aber selbst heimische Freeride-Jungspunde wie Geoff Gullivich, der heute
die Freeride-Szene in Atem hält, versichern: „Leute wie Digger bauen immer noch die coolsten
Trails.“ Frei nach dem Motto: „Digger baut – ich fahre“.