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Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE_APRIL_MAI_2008 | No. 2 | Deutsch - Index

AM ENDE DER WELT
REiSE | 25
Estellencs ist eine noch unbekannte oase – ein kleines verschlafenes Küstenstädtchen. Die
Brandung spritzt in der Bucht gegen die rauen Felsen. Meerwasserfontänen schleudern zischend
und fauchend durch die warme Luft. oben in der Dorfbar vallehermos schwatzen die Fischer mit
Maria Aguirre über spanische Inselpolitik. Man trinkt café cortado, roten Navarra, raucht Zigaretten
und nascht dazu Jamón Serrano und die scharfe Paprikawurst – chorizo. Reden, essen und trinken
gehören zum spanischen Kulturgut wie persönliches Engagement. Maria engagiert sich seit Jahren
für die Umwelt. Die Bausünden von El Arenal, die Betonhochburgen von Paguera oder cala Ratjada
sind nicht nach ihrem Geschmack. Schon seit Jahren kandidiert sie für die Partido Socialista obero
Español, um den Umweltschutz und ökologisch sanften Tourismus zu sichern. In ihrem kleinen
Gemischtwarenladen kaufen wir Proviant für die nächsten Tage: chorizo, spanischen Käse und
Weißbrot. Unser Tourguide Aina wurde hier geboren und weiß genau, was wir brauchen. Wir, das
sind eine bunte Truppe aus Deutschland. Britta, Jo und Hanna bereiten sich hier auf den Kailash in
Tibet vor. Doch nicht alle verfolgen so heere Ziele: Rentnerpaar Krüger verbringt gerne das ganze
Jahr irgendwie durch die Welt wandernd, und Herbert bereitet sich hier auf Mallorca auf die ein oder
andere Biketour vor.
UNTER PIRATENFLAGGE
Karg und rau ist die Küste westlich des mondänen Port Andratx. Ein kleines Paradies für Mountainbiker
und Wanderer. Menschenleer. Würziger Rosmarinduft steigt auf, der Weg windet sich
zwischen Schneidgras über Hügel dem Meer entgegen und endet schließlich an der Klosterruine
La Trapa, wo bis ins Jahr 1840 einige Mönche das Land terrassierten. „vor der Küste liegt die
Eidechseninsel La Dragonera“, erklärt Aina. Sie kennt ihre Insel besser als jeder andere. Jede Pflanze
am Wegesrand scheint ihr vertraut. Dragonera war einmal die Insel der Piraten. Auf ihren Beutezü-
gen durch das Mittelmeer versorgten sie sich hier ungestört mit Frischwasser. Unser Weg führt über
Sand und zwischen mächtigen Felsen hindurch, vorbei am Torre de cala en Basset. Diese Atalayas
(Wachtürme) ermöglichten es den Bauern, sich vor den Anstürmen der Piraten zu schützen. „Und in
nur 15 Minuten war durch die Leuchtfeuer das Militär in Palma alarmiert.“
vERBoTENE WEGE
Die große Drahtschere ist in den Baumärkten Mallorcas fast immer ausverkauft. Sie ist nämlich
der wichtigste Ausrüstungsgegenstand einer unbeschwerten Wanderung. Aus Dankbarkeit für die
Rückeroberung aus arabischer Besetzung schenkte König Jaume, der Erste den katalanischen
Adelsgeschlechtern fast alle Ländereien – man schrieb das Jahr 1229. Ganze Berge sind seither in
Privatbesitz, auch uralte Küstenverbindungswege werden noch oft von Zäunen getrennt –
� uNteN liNKS: Klosterruine la trapa: hier terrassierten vor 200 jahren 40 mönche die Küste und legten wasserspeicher an. in ein paar jahren wird die ruine
wieder für touristen restauriert sein. � uNteN mitte: Nur eine halbe Stunde von estellencs zur Küste hinunter, liegt der romantische alte Fischerhafen.