Ski Press World Inc. - Index

Ski Press World Inc. - SPORTPRESSE_APRIL_MAI_2008 | No. 2 | Deutsch - Index

22 | abEntEUER
Zum einen peppt es natürlich den eher eintönigen
Riegel-Speiseplan auf, zum anderen erreicht der
Körper durch die konstante Belastung keine Belas-
tungsspitzen die zu übermäßigen Problemen mit der
verwertung führen würden. Bis die Energie im Muskel
ankommt, vergehen zwar fast drei Stunden – aber wir
haben ja auch noch gute sechs Stunden vor uns. Ich
strauchle beim Aufstehen ein wenig, weil mein Kreislauf
ganz unten ist; auch beim Rest des Gruppetto ist
die Belastung spürbar. Einen unserer Mannschaft
müssen wir vom stillen Örtchen evakuieren – „der war
dort tatsächlich eingeschlafen“, erzählt Matze. Doch
nach seinem kurzen „Powernap“ ist auch Tom wieder
bereit für die Fahrt durchs Etschtal.
cocA coLA INTRAvENÖS
Die vielen Wellen und Rampen ermüden auf dem Weg
nach Bozen. Das ist kaum vorstellbar, wenn man gemütlich
im Auto auf der Brennerautobahn nach Süden
fährt. von nun an arbeitet sich der Kopf in kleinen Zielen
das Beweisbild zeigt es: auch mit „weißbier-rolle“ sind die
fast 400 Kilometer von münchen nach riva del Garda mit
einem strahlenden lachen zu schaffen.
voran. Bozen – Trento – Mori ... das bedeutet nochmal
die Arschbacken zusammenkneifen. Auch ich bin bei diesem
Gedanken kurz eingenickt, und wir stoppen kurz an
einem Kiosk am Etschtal-Radwanderweg. Matze würde
sich die cola am liebsten intravenös verabreichen lassen,
Tom nagt an einer currywurst, die wir ihm zur Motivation
unter die Nase gelegt haben. Präsident Ralf scheucht uns,
mit dem Finger auf die Uhr deutend, wieder auf die Räder,
und dann macht Flo ernst. Er gehört zu den starken Fah-
rern, die sich nun länger vorne im Wind aufhalten, um die
anderen zu schonen. Die Strategie geht auf, und nach
einer Tiefphase machen wir endlich wieder durchgehende
Strecken. Die Beine des Gruppettos halten sich erstaunlich
gut, jedoch führt das cola-Müsliriegel-Bananenchips-Redbull-Gemisch
im Magen bei vielen zu leichter Übelkeit. Die chaotische verkehrsführung
bei Trento bringt wie immer verwirrung. Nach einem kurzen Abstecher auf die Autobahn lassen wir
die Provinzhauptstadt hinter uns.
HäHNcHEN AM STRASSENRAND
Hinter Mori, vorbei an Rovereto nimmt der verkehr deutlich ab. vorne an der Spitze, das sichere Ziel
vor Augen, kämpfen zwei Altherren sogar um den ortsschildsprint. Kopfschütteln in den hinteren
Reihen. Aber so sind sie eben, die „jungen Wilden“. Längst haben wir die 300-Kilometer-Marke
passiert. Die Stimmung ist euphorisch, der Lago nun zum Greifen nah. Seit längerem fahren wir
nun auch wieder Doppelreihe und sprechen mit dem Nebenmann die Speisekarte durch. Auch der
mobile Hähnchenstand in Loppio, sonst immer einen kurzen Halt wert, kann uns nicht mehr stoppen.
Ein letztes Mal geht es den Berg hinauf nach Nago. Schmerzen in den Beinen verspürt keiner
mehr. Das Kribbeln geht durch den ganzen Körper und pusht uns nochmal ganz nach oben. Und
dann ... Der Blick auf den See entschädigt für alle Qualen. Gemeinsam, Seite an Seite, rollen wir auf
die Terrasse eines Restaurants. Goldgelb stehen nach wenigen Minuten sechs Bier vor uns, und wir
stoßen auf die Gemeinschaft unserer Altherren an, die uns hierher gebracht hat. Geschafft! Jeder
Einzelne ist mitverantwortlich für das Gelingen dieses Projekts. Um uns herum schütteln die Leute
nur unverständlich den Kopf. Wie leicht wird uns allen die Zunge, als jemand fragt: „Wo kommt ihr
denn heute her“? „vo Minga – wos moanst denn du“, antworten wir unisono.
endlich da! am abend waren die „altherren“ dann doch
ziemlich erleichtert, endlich zum lago auzurollen.